fWir besitzen seit zirka zehn Jahren einen Lindenbaum. Dieser hat noch
nie geblüht. Gibts Lindenbäume, die nicht blühen? Was kann man dagegen
tun?
Es kann nicht an der ungenügenden Befruchtung liegen, wenn eine Linde
gar nicht blüht. Alle Linden tragen Blüten, die weibliche als auch männliche
Geschlechtsteile vereinigen.
Werden Linden aus Sämlingen gezogen, dauert es generell länger, bis sie
Früchte tragen. Wie alt diese Linden werden müssen, ist unterschiedlich
und schwer vorauszusagen. Bei Linden spricht man von 20 bis 30 Jahren,
bis sie fruchtbar sind. Beobachtet man jüngere Linden mit Blüten, handelt
es sich um veredelte Bäume. Auf Unterlagen veredelte Edelreiser blühen
und fruchten früher. Möchte man also einen Jungbaum pflanzen, müsste es
sich bei der neuen Linde um einen veredelten Baum handeln.
Geschichtsträchtiger Baum
Linden, mit botanischem Vornamen Tilia, kommen in ganz Europa und in weiten
Teilen Vorderasiens vor. Es sind rund 50 Arten bekannt. Sie gehören zur
Familie der Tiliaceae, einer Familie, der noch sechs weitere Pflanzengattungen
angehören, unter anderem auch die Zimmerlinde.
Kaum ein anderer Baum ist mit dem Leben der Menschen so eng verbunden
wie die Linde. Sie steht auf Bauernhöfen, in der Mitte von Siedlungen,
auf Hügeln, war Ort von Versammlungen und Rechtsprechung und spielt in
vielen Märchen, Gedichten und Liedern eine grosse Rolle. Zudem wird durch
unzählige Familiennamen und über 1000 Ortsnamen im deutschen Sprachraum
deutlich, wie eng der Baum in der Seele der Menschen verwurzelt ist. Heute
haben Linden als Park- und Alleebaum eine grosse Bedeutung, denn einige
Arten können sich in unserem städtischen Strassenraum sehr gut anpassen.
Winterlinde (Tilia cordata)
Die Winterlinde heisst botanisch Tilia cordata. Sie kann 30 Meter Höhe
erreichen. Die Blätter sind recht klein, 3 bis 10 Zentimeter lang und
rundlich. Der Blattrand ist gleichmässig scharf gesägt, die Oberseite
des Blattes ist kahl. Die Unterseite besitzt rostfarbene Achselbärtchen.
Winterlinden können neben Eichen und Eiben von allen europäischen Baumarten
das höchste Alter erreichen. Zwar sind 1000-jährige Linden bei weitem
nicht 1000 Jahre alt, einige hundert Jahre lassen sich aber bei vielen
Linden nachweisen. Die Winterlinde wird als Park-, Allee-, Hof- und Dorfbaum
noch heute sehr oft verwendet. Sie gedeiht am besten in nährstoff-reichen,
trockenen Böden.
Sommerlinde (Tilia platyphyllos)
Die Sommerlinde (Tilia platyphyllos) übertrifft die Winterlinde in ihrer
Wuchshöhe. Auch ihre lebhaft grünen Blätter sind wesentlich grösser. An
den Blättern stellt man am ehesten fest, ob man eine Sommer- oder eine
Winterlinde vor sich hat: Zwar hat auch die Sommerlinde Achselbärtchen,
diese sind aber nicht rostfarbig, sondern weiss. Ein weiterer Unterschied
ist auch an den einjährigen Trieben festzustellen: Diese sind an beiden
Linden olivgrün und auf der Sonnenseite leicht gerötet. Die Triebe der
Sommerlinde jedoch sind während des ersten Jahrs flaumig behaart. Die
Winterlinde verliert diese Behaarung rasch. Die Sommerlinde treibt sehr
früh aus, blüht ungefähr zwei Wochen vor der Winterlinde und ist auch
deshalb eine ausgezeichnete Bienenweide. Sie ist etwas anspruchsvoller
an den Standort als ihre etwas robustere Kollegin.
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